"Werden Abschreibungen vom unterhaltsrelevanten Einkommen abgezogen?"


Unternehmen
UNTERNEHMER im UNTERHALTSRECHT
Welcher Gewinn ist unterhaltsrelevant?

Bei der betrieblichen Gewinnermittlung von Selbständigen dürfen lt. -> AfA-Vorschriften die Anschaffungskosten für betriebliche Wirtschaftsgütern (Anlagegüter) nicht vollständig im Jahr der Anschaffung als Aufwand gebucht werden. Anderes gilt nur für sog. geringwertige Wirtschaftgüter. Die Anschaffungskosten werden bei der Gewinnermittlung auf die Folgejahre verteilt und werden ratierlich in Abzug gebracht (= Abschreibung = Afa). AfA-Vorschriften bezwecken die Anschaffungskosten über die Gesamtzeit der (kalkulierten) Nutzungsdauer des Anlageguts zu verteilen. Die Afa ist nichts anderes als eine „zeitlich gestreckte“ Betriebsausgabe. Die Frage ist, ob diese Form der Behandlung von Anschaffungskosten auch unterhaltsrechtlich beachtlich ist; Folgt hier das Unterhaltsrecht den steuerlichen Vorgaben. Diese Fragen werden nicht einheitlich und pauschal beantwortet. Der folgende -> Wegweiser skiziert die Grundzüge der unterhaltsrechtlichen Behandlung von Abschreibungen.


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I. Unterhaltsrelevante Abschreibungen


Abschreibung im Unterhaltsrecht

linear & degressiv

Wegweiser
WEGWEISER
zum unterhaltsrelevanten Einkommen

Zwar gilt der Grundsatz, dass sich das unterhaltsrelevante Einkommen aus dem -> steuerrelevanten Einkommen ableitet, doch gelten zahlreiche -> Besonderheiten. Auch bei Abschreibungen, die steuerlich akzeptiert werden, können unterhaltsrechtliche Korrekturen erfahren.
Unternehmen
UNTERNEHMERGEWINNE
Welcher Gewinn ist unterhaltsrelevant?

Viele Gerichte lassen bei der Feststellung des unterhaltsrelevanten -> Unternehmergewinns Abschreibungen generell unberücksichtigt. Das ist nicht korrekt. In der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte hat sich aber eine differenzierende Betrachtung entwickelt.
  • Grundsatz zur Anerkennung der linearen Abschreibung:
    Die Abschreibungsrate von angeschafften Wirtschaftsgütern für Abnutzung (AfA) in der betrieblichen Gewinnermittlung sind in der Regel auch unterhaltsrechtlich abzugsfähig. Allerding müssen die jährlichen Afa-Raten ein realistisches Bild der tatsächlichen Abnutzung des abgeschriebenen Wirtschaftsguts, dh. den realen Wertverlust des Anlagevermögens wiederspiegeln.

  • Lineare Abschreibung von Gebäuden: So sind z.B. steuerlich zulässige lineare Abschreibungen von Gebäuden nicht maßgebend, wenn diese erheblich über das Maß der tatsächlichen Wertminderung hinausgehen. Bei Gebäuden mit Wertsteigerung tritt tatsächlich kein Wertverlust ein. Dann sind lineare Gebäude-Abschreibungen nicht zu berücksichtigenZur Gebäude-Afa im Unterhaltsrecht -> HIER ...).

  • Lineare Abschreibung des Praxiswerts: Das gleiche Problem existiert z.B. bei der Afa wegen Praxisanschaffung eines Freiberuflers: der Unternehmer kann wegen der Anschaffung einer Praxis die Anschaffungskosten steuerrechtlich linear abschreiben (zur -> Abschreibung des entgeltlich erworbenen Praxiswerts). Ein käuflich erworbener Praxiswert stehen dem Unternehmen dauernd zu Verfügung. Sie sind ein unkörperlicher Wert und damit als immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens auszuweisen. Seit dem In-Kraft-Treten des Bilanzrichtliniengesetzes ist der Geschäftswert den abnutzbaren Wirtschaftsgütern zugeordnet. Nach § 255 Abs. 4 S. 2 HGB ist der entgeltlich erworbene Geschäftswert grundsätzlich innerhalb von vier Jahren aufzulösen. Steuerrechtlich wird aber nach § 7 Abs. 1 S. 3 EStG der Abschreibungszeitraum fiktiv auf 15 Jahre festgelegt. Wird eine Praxis übertragen, ist eine regelmäßige Abschreibung auf den Praxiswert vorzunehmen. Die Nutzungsdauer ist abhängig von der Verflüchtigungsdauer der Patienten/Klienten und zu schätzen. Sie beträgt bei der Einzelpraxis in der Regel drei bis fünf Jahre. Sind die Afa-Praxiswert unterhaltsrechtlich zu berücksichtigen?
  • Loewe
    AG Duderstadt, Beschluss vom 03.07.2017 – 8 F 18/14 UK (intern vorhanden)
    lineare Abschreibung des Praxiswertes im Unterhaltsrecht - Betriebsmittelkredit

    (Zitat) "Ähnlich wie bei Abschreibungen auf Gebäude oder andere immaterielle Werte, die keinem Werteverzehr unterliegen, erscheint es zur Vermeidung einer unangemessenen Benachteiligung Unterhaltsberechtigter einerseits sachgerecht, derartige Abzugsbeträge bei der Gewinnermittlung unterhaltsrechtlich nicht anzuerkennen."

    Damit ist noch nichts darüber gesagt, ob ggf. der Tilgungsbetrag für den zur Gebäudefinanzierung aufgenommenen Kredit unterrhaltsrechtlich berücksichtigungsfähig und vom Nettoeinkommen abzuziehen ist (vgl. Wendl/Dose,  a.a.O.,  § 1  Rn. 360).  Dies ist  vielmehr  -  wie  auch in Bezug auf andere Verbindlichkeiten - im Rahmen einer Gesamtabwägung aller Umstände des Einzelfalles zu entscheiden. Grundsätzlich sind Verbindlichkeiten im Rahmen eines angemessenen Tilgungsplans absetzbar, wenn nach einer -> umfassenden Gesamtabwägung ihre Berücksichtigung der Billigkeit entspricht (vgl. Unterhaltsrechtliche Leitlinien der Familiensenate des OLG Braunschweig, Ziff. 10.4). Soweit der Mindestunterhaltgedeckt ist und es um die Einstufung in eine höhere Einkommensgruppe geht, sind Schulden, die bereits die ehelichen Lebensverhältnisse bis zur Trennung geprägt haben, in der Regel auch gegenüber minderjährigen Kindern bei der Unterhaltsbedarfsermittlung berücksichtigungswürdig (vgl. Wendl/Dose, a.a.O., § 1 Rn. 1109). Bei -> sehr guten Vermögensverhältnissen können unter Umständen auch Tilgungsleistungen zur einseitigen Vermögensbildung des Pflichtigen berücksichtigungsfähig sein, wenn sie sich in einem insgesamt angemessenen Rahmen halten. Dies kommt insbesondere in Betracht, solange die -> Grenze einer zulässigen Altersvorsorge i.H.v. insgesamt bis zu 24 % des Bruttoeinkommens nicht überschritten wird.


  • Loewe

    (Zitat) "Die Einnahmen des Antragsgegners aus Selbständigkeit sind nicht aus lediglich steuerrechtlich, aber nicht unterhaltsrechtlich anzuerkennender Abschreibung in Bezug auf den -> Pkw Audi zu erhöhen. Mit Ausnahme von Gebäuden wird die Zulässigkeit der linearen Abschreibung nach dem Steuerrecht (Afa) unterhaltsrechtlich im Grundsatz anerkannt (vgl. Spieker in 9. A Wendl/Dose, a.a.0.,S. 136). Auch wenn – worauf die Antragstellerin zutreffend hinweist - die Abschreibungszeit bei PKWs nach Afa mit 6 Jahren gemessen an dem Wertverzehr bei hochwertigen Pkws kurz er­scheint, ist sie vorliegend insofern gleichwohl sachgerecht und geboten, weil eine spätere Veräußerung nach Abschreibung sich wieder gewinnerhöhend auswirkt, die unternehmerische Ent­scheidung für den Kauf eines repräsentativen Autos für die Branche des Antragsgegners nicht untypisch ist und die Anschaffung des PKWs ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Unterhaltsverfahren erfolgte.


  • Degressive Abschreibungen sind für unterhaltsrechtliche Zwecke fiktiv in lineare Abschreibung umzurechnen und können in diesem Rahmen berücksichtigt werden.

  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) - Sofortabschreibung: Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Anschaffungs- oder Herstellkosten von Aufwendungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis zur Höhe von 150 Euro (2017) sofort ohne Verzeichnis als Betriebsausgabe berücksichtigen (Sofortabzug). Für GWG im Wert zwischen 150 und 410 EUR müssen Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten ein GWG-Verzeichnis anlegen, das sowohl den Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen als auch die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist. Hinweis: Sind die Angaben ohne Weiteres aus der Buchführung ersichtlich, z. B. auf einem Kontoblatt, kann auf das Verzeichnis verzichtet werden.Hier -> folgt das Unterhaltsrecht dem Steuerrecht.

  • Anhebung der GWG-Grenze 2018: Aufwendungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) können im Jahr der Anschaffung  oder Herstel­lung sofort in voller Höhe gewinnmindernd geltend gemacht werden. Ein GWG ist ein bewegliches Anlage­gut, das selbständig nutzbar ist, mit Anschaffungs- und  Herstellungskosten bis 410 € netto, z.B. ein PC. Dieser Höchstbetrag wird für alle Investitionen ab 2018 auf 800 € netto erhöht. Kostet das GWG mehr als  150 €, muss es einzeln aufgezeichnet werden auf einem besonderen Konto in der Buchführung. Auch diese Grenze wird ab 2018 auf 250 € angehoben. Beispiel: Anschaffung eines Tablet-PC im August 2017 für 599 € netto. Die Aufwendungen können nur auf  die Nutzungsdauer von 3 Jahren verteilt abgesetzt werden. Bei Anschaffung 2018 ist der Tablet-PC ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Die Anschaffungskosten von 599 € können 2018 in voller Höhe als Betriebs­ ausgabe geltend gemacht  werden. Durch den Abzug eines Investitionsabzugsbetrags (IAB) im Jahr 2017 für geplante Anschaffungen 2018 können auch Wirtschaftsgüter als GWG berücksichtigt werden, deren Anschaffungskosten 800 € netto übersteigen.

    Beispiel: Wird 2017 für  den geplanten Kauf einer Videodrohne 2018 mit  Anschaffungskosten von 1.200  € ein IAB mit 40 v.H. der Anschaffungskosten beansprucht = 480 €, mindern sich die Anschaffungskosten der Drohne 2018 um diesen Betrag. Die restlichen Anschaffungskosten von 720 € können 2018 in voller Höhe abgezogen werden. Im Ergebnis werden damit die gesamten  Anschaffungskosten 1.200 € innerhalb von zwei Jahren  abgesetzt.

  • Ansparabschreibungen / Investitionsabzugsbeträgen siehe -> BGH, Urteil vom 2.6.2004 - XII ZR 217/01


II. Links & Literatur


Links



Literatur


  • VRiOLG Dieter Büte, Bad Bodenteich/Celle: Richtige Einkunftsermittlung bei Selbständigen
  • Fischer-Winkelmann, Wolf F., Unterhalstrechtliche Einkommensberechnung bei Selbständigen: Informationspflichten "versus" Informationsbedarf?, in: FUR 1992, 14ff.

In eigener Sache


  • AG Tostedt - NSZ 14 F 263/14 UE, Korrekturen der steuerlichen Gewinnermittlung - SV-Gutachten zum Einkommen des Unternehmers, unser Az.: 6/17 (D3/460-17)
  • AG Dachau - 2 F 717/16, Abschreibung und unterhaltsrelevantes Einkommen eines Freiberuflers, unser Az.: 507/16 (D3/327-17)
  • AG Straubing - 3 F 299/16, Betriebsmitteldarlehen zum Praxiserwerb und Afa, unser Az.: 426/17 (D3/443-17)
  • Ermittlung des unterhaltsrelevanten Einkommens eines Apothekers mit Betriebsmittelkredit, unser Az.: 109/16 (D3/1240-16)


III. Unser Angebot


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