Vaterrechte

Rechte der Väter im Wandel der Zeit



"Welche Rechte haben gesetzliche und leibliche Väter?"

Wegweiser
WEGWEISER
zum KINDSCHAFTSRECHT

Die Frage nach den Vaterrechten und Vaterpflichten steht im Zusammenhang mit Fragen, die dem -> Kindschaftsrecht (z.B. Informationsrechte, Umgangsrecht, Sorgerecht) sowie dem Unterhaltsrecht (-> Kuckuckskind-Problematik) zugeordnet sind. Besondere rechtliche Herausforderungen sind Fragen der Vaterrechte bei künstlicher Befruchtung: die Abteilung Familienrecht des -> 71. Deutschen Juristentag 2016 beschäftigte sich mit der "rechtlichen, biologischen und sozialen Elternschaft". Väter stoßen weitaus mehr auf Widerstände bei der Verteidigung und Durchsetzung Ihrer Rechte als Mütter: -> Väterwiderstand.de stellt eine sog. "Blacklist" vor, die Einblick in Erfahrungsberichte von Vätern im Kampf um das Kind mit Behörden und Gerichten bieten  (-> HIER...). Fragen zur Klärung der Vaterschaft gehören zwischenzeitlich zum Tagesgeschäft unserer -> Kanzlei. Die Vaterrechte und Vaterpflichten bestehen in der Regel nur für den Mann, der auch Vater im Sinne des Gesetzes ist. Ist der leibliche Vater nicht mit der Mutter verheiratet ist und wird das Kind auch nicht in einer Ehe der Mutter geboren, kann der leibliche Vater relativ unproblematisch per -> Vaterschaftsanerkennung zum gesetzlichen Vater werden. Weiter gibt es für den leiblichen Vater auch unabhängig von der gesetzlichen Vaterschaft Rechte am Kind. Kinder die in der Trennungsphase zur Welt kommen, stammen meist nicht vom (Noch-)Ehemann. Wie mit dieser Situation als "Vater" umzugehen ist, erfahren Sie -> HIER...  Gerichtsverfahren wegen Streitigkeiten um die  -> "Vaterschaft" (§ 1592 BGB) sind sog. Abstammungssachen (§§ 169 ff. FamFG). Für "Verschiebungen" bzw. "Synchronisierungen" von gesetzlicher mit der leiblichen Vaterschaft im Wege von  -> Vaterschaftsverfahren ist immer ein amtlich anerkannter -> Vaterschaftstest erforderlich. Von Vaterschaftsverfahren (= Abstammungssachen)  sind die Verfahren wegen -> Kindschaftssachen (§§ 151 ff. FamFG) zu unterscheiden. Für mehr Informationen folgen Sie dem -> Wegweiser "Vaterrechte".


Unser -> RATGEBER ONLINE bietet Ihnen umfangsreiche Informationen aus der familienrechtlichen Praxis. Permanent sind wir bemüht, den aktuellen Stand der Rechtsprechung wiederzugeben. Zugang zum RATGEBER ONLINE erhalten Sie über


I. Der Vater


Vaterschaft

Gesetzliche Abstammung nach § 1592 BGB

♦ Gesetzliche Vaterschaft


§ 1592 BGB - Gesetzestext


Vater eines Kindes ist der Mann,

  1. der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes -> verheiratet ist,
  2. der die Vaterschaft -> anerkannt hat oder
  3. dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich -> festgestellt ist.


Abstammung & gesetzliche Elternschaftt


Merke


1. Leibliche Abstammung ist kein Kriterium für gesetzliche Vaterschaft

2. Soll die gesetzliche Vaterschaft mit der biologischen Vaterschaft synchronisiert werden, muss ein Vaterschaftsanfechtungsverfahren durchgeführt werden -> HIER ...


Viele Regeln des Familienrechts knüpfen an den Begriff der Mutterschaft (§1591 BGB) und der -> Vaterschaft (§ -> 1592 BGB) an. Fragen, die im Zusammenhang mit den Begriffen "Mutter" und "Vater" zu klären sind, sind Fragen der gesetzlichen Abstammung (5. Buch des BGB, Abschnitt 2. Verwandschaft, Titel 2. Abstammung).

Eizellenspende & Elternschaft

Wenn es nicht gerade um Rechtsprobleme wegen -> Eizellen-Spende geht, ist die Mutterschaft einfach zu klären: Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat (§ 1591 BGB). Eizellespende ist in Deutschland noch nicht erlaubt. Das deutsche Embryonenschutzgesetz von 1991 verbietet diese Methode und stellt auch Ärzte, die Eizellspende unterstützen und dazu beraten unter Strafe. Mehr dazu erfahren Sie -> HIER...

Für die Vaterschaft stellt sich dies nicht so einfach dar. Hier wird nach § 1592 BGB ein -> Katalog von Anknüpfungstatsachen aufgestellt, aus denen dann die gesetzliche -> Vaterschaft folgt. Nach § 1592 BGB gibt es -> drei Möglichkeiten, wann ein Mann der "gesetzliche Vater" ist. Das Familienrecht stellt nicht auf die -> leibliche Abstammung ab. Diese ist als Anknüpfungstatsache zu ungewiss.

♦ Kind ohne Vater?


Steht für einen Mann nach § -> 1592 BGB die gesetzliche Vaterschaft fest, kann es daneben keinen weiteren gesetzlichen Vater geben. Kein Kind hat zwei gesetzliche Väter (§ -> 1594 Abs.2 BGB). Ein gesetzlicher und ein biologischer Vater ist möglich. Das ist der Fall des -> Kuckuckskindes. Allerdings kann es vorkommen, dass ein Kind überhaupt keinen gesetzlichen Vater hat. Dies ist der Fall, wenn das Kind nicht -> ehelich geboren wurde und kein Mann die Vaterschaft -> anerkennt.

♦ Gesetzliche Vaterschaft & eheliches Kind


Wenn das Kind ehelich (in der Ehezeit) geboren wird, ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist, automatisch der gesetzlicher Vater des Kindes (§ -> 1592 Ziff.1 BGB). Die Rechtsfolge des § -> 1592 Ziff.1 BGB tritt unabhängig davon ein, ob ein -> Scheidungsverfahren läuft, die Eheleute bereits seit längerem voneinander -> getrennt sind. Auch eine anderweitige -> Vaterschaftsanerkennung kann die Rechtsfolge des § 1592 Ziff.1 BGB nicht verhindern oder verdrängen.

Geburt eines Kindes während laufendem Scheidungsverfahren


Es entspricht numal der Realität, dass die meisten Kinder, die während eines laufenden -> Scheidungsverfahren geboren werden, nicht vom Ehemann stammen. Das Kind ist ein sog. -> "Kuckuckskind" mit der daraus folgenden unterhaltsrechtlichen Problematik. Erst wenn der gesetzliche (Schein-)Vater und scheidungswillige Ehemann in einem -> Vaterschaftsanfechtungsverfahren rechtskräftig feststellen lässt, dass er nicht der biologische Vater ist, entfällt die Unterhaltsverpflichtung des gesetzlichen Vaters gegenüber dem Kind (vgl. BGH, Urteil v. 11.01.2012 - XII ZR 194/09). Ein unbefriedigende Situation, der mit Hilfe des § 1599 Abs.2 BGB entgegen gewirkt wird. Denn hier eröffnet sich eine Möglichkeit das gerichtliche Vaterschaftsverfahren zu umgehen:

Praxistipp
Pränatale Vaterschaftsanerkennung bei Scheidung


Ein Kind, das während rechtlichen Bestehens einer Ehe zur Welt kommt, ist ehelich - auch wenn allseits bekannt ist, dass der Ehemann nicht der Vater ist. Eine Möglichkeit, ein teures und aufwendiges Anfechtungsverfahren zu vermeiden, ist

a) die Einleitung des Scheidungsverfahrens noch vor Geburt des Kindes plus
b) Vaterschaftsanerkennung durch den biologischen Vater plus
c) Zustimmung des Ehemannes zur Vaterschaftsanerkennung

Weiteres ergibt sich aus § 1599 Abs.2 BGB, der für diesen Fall § 1592 Nr.1 BGB für nicht anwendbar erklärt. Die Anerkennung der Vaterschaft ist z.B. vor dem Standesbeamten oder dem Urkundsbeamten des Jugendamtes, zu erklären. Die Vaterschaftsanerkennung durch den biologischen Vater ist bereits vor der Geburt des Kindes möglich (pränatale Vaterschaftsanerkennung: § 1594 Abs.4 BGB) und auch zu empfehlen. Auch ohne Geburtsurkunde wird hier auf Grundlage des Mutterpasses der Nachweis der anstehen Geburt belegt. Neben der Vaterschaftsanerkennung kann auch die Erklärung über die gemeinsame Sorge bereits vor der Geburt eines Kindes abgegeben werden. Diese Erklärung ist allerdings ausschließlich vor dem Jugendamt möglich. Die Vaterschaftsanerkennung ist Vorbereitungsmaßnahme für den Fall der rechtskräftigen Scheidung. Erst in dem Moment, ab Wirksamkeit der Scheidung, werden alle die "vorbereitenden" Urkunden wie bei einem Dominoeffekt gültig. Die gesetzliche Vaterschaft wechselt mit rechtskräftiger Scheidung automatisch vom Ehemann auf den Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat.

Hinweis:


Gerichtliche Vaterschaftsfeststellung


Vater
VATERSCHAFTSVERFAHREN

Wer die Mutter des Kindes ist, lässt sich einfach klären. Es ist die Frau, die das Kind geboren hat (§ -> 1591 BGB = Mutterschaft). Der Nachweis oder die Gewissheit der Vaterschaft ist schwieriger. Es ist eine biologische Tatsache, dass ein -> Vater ohne -> genetische Untersuchung nie sicher sein kann, ob er wirklich der Vater des Kindes ist. Aber aus dem -> Verwandtschaftsverhältnis leiten sich der -> Unterhaltsanspruch sowie das Erbrecht des Kindes ab. Die Dunkelziffer der möglichen -> Kuckuckskinder für die gesetzliche Väter Unterhalt bezahlen steigt: manche behaupten jedes fünfte Kind sei ein Kuckuckskind. Eine -> Vaterschaftsanfechtung kann nur erfolgreich sein, wenn im Verfahren Verdachtsmomente vorgetragen werden, die dafür sprechen, dass ernsthafte Zweifel an der leiblichen Vaterschaft bestehen. Wer Gewissheit haben möchte braucht einen Vaterschaftstest. Das Bedürfnis nach einen solchen Test greift das Familienrecht mit § -> 1598a BGB auf und bietet eine leicht durchsetzbare Alternative zu sog. illegal eingeholten Testergebnissen. Vaterschaftstests werden -> im Internet zahlreich angeboten. Welche -> Verfahren zur Klärung von Abstammungsfragen bei Auseinanderdriften von gesetzlicher und leiblicher Abstammung in Betracht kommen, erfahren Sie -> HIER... Zu unterscheiden ist zwischen Vaterschaftsfeststellungsverfahren nach § 1600d BGB und Vaterschaftsanfechtungsverfahren nach § 1599 ff. BGB (Mehr zum Anfechtungsverfahren -> HIER...).


II. Vaterschaftsanerkennung


Gesetzliche Vaterschaft

im Wege der freiwilligen Anerkennung nach § 1592 Ziff.2 BGB

Ratgeber - Kinder
MERKBLATT - VATERSCHAFTSANERKENNUNG
zur gesetzlichen Vaterschaft nach § 1592 Ziff.2 BGB

Ist das Kind nicht ehelich geboren (§ 1579 Ziff.1 BGB), bleibt die gesetzliche Vaterschaft zunächst mal ungewiss. Diese kann nur über ein gerichtliches Feststellungsverfahren nach § 1600d BGB oder über eine freiwillige Vaterschaftsanerkennung beseitigt werden. Diese erfolgt durch eine Anerkennungserklärung des Mannes (§ 1594 BGB), die der Zustimmung der Mutter (§ 1595 BGB) bedarf. Die Vaterschaftsanerkennung im Sinne von § 1592 Ziff.2 BGB verlangt nach einer öffentlichen Beurkundung (§ 1597 BGB). Bei der freiwillig beurkundeten Vaterschaftsanerkennung sind die Jugendämter behilflich (§ 59 Abs.1 Ziff.1 SGB VIII). Mehr Informationen zum Verfahren erhalten Sie -> HIER... Ebenso zuständig sind die hier genannten Stellen:

    • Der Notar: § 20 BNotO

    • Das Standesamt: § 44 PStG,

    • Das Amtsgericht: § 3 Nr.1 f) RPflG; § 62 Abs.1 Nr.1 BeurkG

    • Im Ausland durch deutsche Konsularbeamte: § 2, 10 KonsG


III. Rechte des leiblichen Vaters


Leiblicher Vater

Rechtsbeziehungen zum Kind ohne gesetzlicher Vaterschaft

Moritz

Dem leiblichen Vater kann ein Umgangsrecht mit seinem Kind zustehen, auch wenn ein anderer Mann der gesetzliche Vater ist. Mehr dazu -> HIER.

Sorgerecht

Der Weg zum Sorgerecht für den gesetzlichen Vater, der mit der Mutter nicht verheiratet ist. Mehr dazu -> HIER...

Vater

Zur Durchsetzung der Vaterrechte des leiblichen Vaters stehen besondere Vaterschaftsverfahren zur Verfügung

      • Beschleunigtes Verfahren zum Sorgerecht -> HIER...
      • Verfahren zum Umgangsrecht -> HIER...


IV. Links & Literatur


Links



Literatur


  • Marina Wellenhofer, Rechtsprechungsübersicht zum Abstammungsrecht (2014 - 2016), in: NZFam 2016, 731
  • Patrick Meier, Der Auskunftsanspruch des durch Samenspende gezeugten Kindes gegen die behandelnden Ärzte, in: NZFam 2016, 692
  • Marc Eckebrecht, "Die geänderte Stellung des Vaters", in: NZFam 2016, 673
  • Claudia Campbell, Die rechtliche Elternschaft in Regenbogenfamilien, in: NZFam 2016, 296
  • Dieter Bindzus, Karl-Heinz Musset, Das Kindschaftsverhältnis, Grundzüge des Jugendrechts, Lernbücher für Wirtschaft und Recht, 1999, S. 43-102


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  • AG Dessau-Roßlau, 3 F 79/08 Kl, Vaterschaftsfeststellungsverfahren, unser Az.: 40/16


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