Moritz-gross


Umgangsrecht

gerichtlich durchsetzen


  • Wie setzt man das Umgangsrecht gerichtlich durch?

    In allen > Familienverfahren, welche Belange der Kinder betreffen (> Kindschaftssachen), wird den Eltern jede mögliche Unterstützung geboten, um eine eigenverantwortliche > Elternvereinbarung zustande zu bringen (> Primat der Elternverantwortung). Jedenfalls werden gerichtliche Umgangsbeschlüsse als ultima ratio betrachtet und  gegen den Willen eines Elternteils nur zu begründen sein, wenn eine zielführende Kommunikation zwischen Eltern nicht existiert und auch nicht herstellbar erscheint. Die verfahrensrechtlichen Vorschriften zu den Kindschaftssachen (§§ 151 ff FamFG) bauen auf der Vorstellung auf, dass keiner bessere Regelungen im Interesse der Kinder treffen kann, als deren Eltern. Deshalb wird in jedem Verfahrensstadiuem darauf hingewirkt, dass letztendlich zu einer Elternvereinbarung zum Umgangsrecht kommt (§ > 156 FamFG). In der Theorie folgt der Verfahrensaufbau dem Prinzip des > Chochomer Modells bzw. des > Münchener Modells. Wie Richter in der Praxis das rechtliche Rahmenprogramm ausfüllen und erfüllen, steht auf einem anderen Blatt. Sehr informativ (aber auch umstritten) dazu ist der > Vortrag von Familienrichter Jürgen Rudolf ("Vater des Chochomer Modells"). Der > Wegweiser zum Umgangsrecht vor Gericht führt sie in die Grundsätze des Umgangsverfahrens ein.

    > Mehr

  • > Verfahrenskostenhilfe für Umgangsverfahren

    Verfahrenskostenhilfe für gerichtliche Umgangsverfahren nur bewilligt, wenn der Antragsteller darlegt, dass alle zumutbaren außergerichtlichen Versuche zur Regelung des Umgangs ausgeschöpft wurden. Erst wenn sich zeigt, dass das primäre Ziel der außergerichtlichen > Umgangsregelung nicht erreichbar ist, weil ein nervenaufreibender Kleinkrieg um Details ausbricht oder eine komplette Weigerung zur Regelung des Umgangs sich einstellt (> Umgangsboykott), ist der Weg frei zur gerichtlichen Durchsetzung des > Umgangsrechts mit staatlicher Finanzierungshilfe (> VKH).


Kindschaftssache - Umgangsrecht


Der Weg zum gerichtlichen Umgangsbeschluss

1. Versuch einer einvernehmlichen Lösung


ELTERNVEREINBARUNG

Das > Familiengericht trifft keine Entscheidung gegen den Fortbestand der gemeinsamen > Elternverantwortung. Im Gegenteil: der gesellschaftliche Wandel, die familienrechtliche Entwicklung und die Rechtsprechungsentwicklung fordert und betont vielmehr die den Fortbestand der gemeinsamen Elternverantwortung auch für Trennungs- und Scheidungskinder. Diese Grundsatzentscheidung findet sich auf vielen Ebenen des Familienrechts (§§ 1616 ff. BGB: Rechtsverhältnis zwischen Eltern und dem Kind) und > Familienverfahrenrechts (§§ 151 ff. FamFG: > Kindschaftssachen). Davon ausgehend sind primär die Eltern aufgefordert, eigenverantwortlich und einvernehmlich eine verbindliche Elternvereinbarung zum Wohle ihrer Kinder zu treffen. > Jugendämter sollen und können dabei behilflich sein (§ 16 SGB VIII). Sie finden dort den möglichen Weg bis zur > vollstreckungsfähigen Elternvereinbarung beschrieben und > Textbausteine für den Vereinbarungstext angeboten.

2. Gerichtsverfahren nach gescheiterter Eltenvereinbarung


GERICHTLICHES VERFAHHREN
zum Umgangsbeschluss ...

Sind außergerichtliche Einigungsversuche gescheitert, ist an die Durchsetzung des > Umgangsrechts über ein mit gerichtliches  > Kindschaftsverfahren zu denken. Die Kindschaftssache "Umgang" (§ 151 Ziff.2 FamFG) wird nur aufgrund eines entsprechenden Antrags zur Regelung des Umgangs ausgelöst. Das > Jugendamt hat im weiteren Verlauf des Verfahrens mitzuwirken (§ -> 162 FamFG).  Sollte unter > Mithilfe des Jugendamtes keine Lösung gefunden werden, wird das Familiengericht auf Antrag eine Umgangsregelung im Verfahren nach §§ 151 ff FamFG beschließen. Das Gericht wird auf eine einvernehmliche Lösung hinwirken (§ 156 FamFG). Kinder über 14 Jahre werden angehört (§ 159 FamFG). Die Eltern sollen angehört werden (§ 160 FamFG). Kindeswohl-Prinzip: Das Familiengericht hat - entsprechend seinem gesetzlichen Auftrag (§ 1684 BGB) - eine Umgangsregelung zu beschließen, die dem Kindeswohl am besten entspricht (Kriterien des -> Kindeswohl bei Umgangsregelung). Beweisaufnahme und Amtsermittlung: In welchem Umfang vom Gericht zur Beurteilung des Kindeswohls Tatsachen zu ermitteln sind, bestimmt sich nach § 26 FamFG. Zwar muss das Gericht von Amts wegen Ermittlungen durchführen, jedoch nur soweit dafür eine Vortrag der Beteiligten ausreichend Anlass dazu bietet. Das ist nur der Fall, wenn konkrete dem Beweis zugängliche Vorfälle geschildert werden, die Einfluss und Auswirkung auf das Kindeswohl haben können (vgl. Thema Darlegungs- und Beweislast für Gründe zum Entzug des > Sorgerechts > hier).

Loewe

OLG München, Beschluss vom 20.09.2019 - 11 WF 666/19
Der Erörterungstermin in Kindschaftssachen


Anmerkung: Verfahren zum Umgangsverfahren sind beschleunigt und vorrangig durchzuführen (§ 155 Abs.1 FamFG). Die Kindschaftssache ist mit allen Beteiligten in einem Termin zu erörtern und soll spätestens einen Monat nach Beginn des Verfahrens stattfinden. Das Jugendamt ist in diesem Erörterungstermin anzuhören. Eine Terminsverschiebung kommt nur aus zwingenen Gründen in Betracht und ist glaubhaft zu machen (§ 155 Abs.2 FamFG).

Loewe

BGH, Beschluss vom 31.10.2018 - XII ZB 411/18
zur persönlichen Anhörung des Kindes im Umgangsverfahren


Leitsatz: Auch ein erst vierjähriges Kind ist in einem Umgangsrechtsverfahren grundsätzlich von dem Gericht persönlich anzuhören. Ausnahmsweise darf das Gericht von der Anhörung des Kindes aus schwerwiegenden Gründen absehen. Das ist regelmäßig der Fall, wenn die Anhörung des Kindes zu einer erheblichen Beeinträchtigung seiner körperlichen oder seelischen Gesundheit führen würde.
Anmerkung: zur Entscheidung, Andreas Frank, in: FF 2019, 83

Grundsätze:

  • Kinder unter drei Jahren müssen in der Regel nicht angehört werden.
  • Kinder im Alter von drei Jahren bis dreizehn Jahren muss das Gericht in der Regel persönlich anhören.
  • Jugendliche ab vierzehn Jahren sind gem. § 159 Abs.1 S.1 FamFG persönlich anzuhören.

3. Hinweise zum Umgangsverfahren


MUSTER - ANTRAG

zur gerichtlichen Regelung des Umgangs.

MERKBLATT der FAMILIENGERICHTE

Hinweise zur Elternverantwortung & Regelungsbefugnisse des Familiengerichts.


Zum Wohl des Kindes ...


Wenn in sondergesetzlichen Vorschriften nichts anderes bestimmt ist (> besondere Eingriffsschwellen), haben Gerichte in > Kindschaftssachen die Entscheidung zu treffen, die dem Kindeswohl am besten entspricht1697a BGB). Umgangsberechtigt sind beide Elternteile (§ 1626 Abs.3 S.1 BGB). Wie Gerichte in der Praxis sich bei Umgangsregelung am Kindeswohlprinzip  orientieren, erfahren Sie > hier

Erforschung des Kindeswohls


Loewe

OLG Saarbrücken, Beschluss vom 23.01.2013 - 6 UF 20/13
Zur gerichtlichen Erforschung des Kindeswohls


(Zitat) "Danach hat das Gericht von Amts wegen die zur Feststellung der entscheidungserheblichen Tatsachen erforderlichen Ermittlungen durchzuführen und die geeignet erscheinenden Beweise zu erheben. Zwar muss das Gericht nicht jeder nur denkbaren Möglichkeit nachgehen und besteht insbesondere keine Pflicht zu einer Amtsermittlung „ins Blaue hinein“, weshalb bloße Verdachtsäußerungen, die jeglicher tatsächlichen Grundlage entbehren, keinen Ermittlungsanlass geben (dazu BGH FamRZ 2011, 1047). Eine Pflicht zu der Aufklärung dienlichen Ermittlungen besteht jedoch insoweit, als das Vorbringen der Beteiligten und der Sachverhalt als solcher bei sorgfältiger Prüfung hierzu Anlass geben. Die Ermittlungen sind erst dann abzuschließen, wenn von weiteren Ermittlungen ein sachdienliches, die Entscheidung beeinflussendes Ergebnis nicht mehr zu erwarten ist (BGH FamRZ 2010, 720), wobei in kindschaftsrechtlichen Familiensachen besondere Anforderungen an die tatrichterliche Sachaufklärung zu stellen sind (Senatsbeschluss vom 3. April 2012 – 10 UF 10/12 –, FamRZ 2013, 48). Der genaue Umfang der erforderlichen Ermittlungen richtet sich nach den im konkreten Einzelfall betroffenen Kindeswohlbelangen (BGH FamRZ 2011, 796; 2010, 1060, jeweils m. Anm. Völker)."

Anmerkung: Hier ging es um den vorgetragenen Verdacht der Mutter, der Vater würde mit hoher Wahrscheinlichkeit „auch aktuell noch Alkohol und Betäubungsmittel und zwar Cannabisprodukte“ konsumieren, was einem Umgangskontakt des Vaters zum Kind > mit Übernachtungen entgegenstehen würde. Die Mutter hatte hatte hierzu vorgetragen, der Vater habe seit Jahren massive Probleme mit Alkohol- und Drogenmissbrauch. Neben erheblichem Alkoholkonsum in Form von Wein und Sekt kiffe er drei- bis viermal täglich. Der Vater hat dies – abgesehen von einem jugendlichen Probieren von Cannabis vor 20 Jahren und einem Konsum von vielleicht ein bis zwei Gläsern Wein pro Woche – durchgehend bestritten. In der Nachfolge hat die Mutter nicht einen einzigen konkreten – der Widerlegung durch den Vater zugänglichen – Vorfall, bei dem Alkohol- oder Drogenkonsum des Vaters eine Rolle gespielt hätte, zu benennen gewusst, sei es in der Vergangenheit, sei es im Verlauf des nun bereits seit Oktober 2011 geführten Verfahrens. Nach Maßgabe eines solchen Vortrags ohne Benennung eines konkretem dem Beweis zugänglichen Vorfalls ist noch kein konkreter Anlass dargelegt, dies gerichtlich nach Maßgabe des § 14 FamFG nachzuprüfen.

Umgangsförderung zum Kindeswohl


Eine Mutter die den Umgang der Kinder mit dem Vater nicht fördert und zur Begründung angibt, die "Kinder wollen das nicht", verstößt gegen § > 1684 BGB und kann mit > Ordnungsmitteln (> § 89 FamFG) geahndet werden (vgl. OLG Brandenburg, Beschluss vom 04.09. 2019 - 9 WF 208/19; OLG Koblenz, Urteil vom 08.08.2007 - 9 UF 220/05).

Loewe
OLG Brandenburg, Beschluss vom 04.09. 2019 - 9 WF 208/19
Einwendungen gegen Zwangsmittelfestsetzung: Kinder wollten den Umgang nicht

(Zitat, Rn 5) "Das Erfordernis einer schuldhaften Verletzung der Verpflichtung des betreuenden Elternteils zur Förderung des Umgangs des Kindes mit dem anderen Elternteil folgt auch aus dem in § 89 Abs. 4 FamFG vorgesehenen Entlastungsbeweis. Danach unterbleibt die Festsetzung des Ordnungsmittels nur dann, wenn der Verpflichtete Gründe vorträgt, aus denen sich ergibt, dass er die Zuwiderhandlung nicht zu vertreten hat. Damit korrespondiert die Verpflichtung des betreuenden Elternteils zur Darlegung der Umstände, die den Grund für das Scheitern der Umgangskontakte darstellen (BGH FamRZ 2012, 533).

Anmerkung: Die Entscheidung betont das Wohlverhaltensgebot und die Umgangsförderpflicht der Eltern mit dem anderen Elternteil. Der zum Umgang verpflichtete Elternteil muss sich daher nicht nur neutral zur Umgangsdurchführung verhalten, sondern diese aktiv befördern. Eine rein neutrale Haltung zum Umgang reicht nach der Wertung des > § 1684 Abs.2 BGB nicht aus, da ein Kind hierin eine auch nur nonverbale Ablehnung gleichwohl spürt und dadurch den oben genannten Loyalitätskonflikt austragen muss. Auch eine dem Kind möglicherweise nur unbewusst vermittelte ablehnende Haltung des umgangsverpflichteten Elternteils verstößt daher gegen das Wohlverhaltensgebot.

Ein zentrales Element des Kindeswohls ist in Umgangssachen stets die Vermeidung eines Loyalitätskonflikts. Wenn Kinder beim zur Gewährung des Umgangs verpflichteten Elternteil eine Ablehnung gegen die Umgangsdurchführung erleben, wird ihr Kontaktwunsch in Frage gestellt. Der zum Umgang verpflichtete Elternteil muss sich daher richtigerweise nicht nur neutral zur gewünschten Umgangsdurchführung verhalten, sondern diese aktiv befördern. Eine rein neutrale – oder gar ablehnende Haltung zum Umgang reicht nach der Wertung des § > 1684 Abs.2 BGB gerade nicht aus, da ein Kind hierin eine auch nur nonverbale Ablehnung gleichwohl spürt und dadurch den oben genannten Loyalitätskonflikt austragen muss. Auch eine dem Kind möglicherweise nur unbewusst vermittelte ablehnende Haltung gegen den Umgangswunsch des Vaters verstößt daher gegen das Wohlverhaltensgebot. Durch diese materielle Systematik bringt der Gesetzgeber das eigentliche Leitmotiv des Kindeswohls zum Ausdruck. Der umgangsgewährende verpflichtete Elternteil (hier die Mutter) wird in die Pflicht genommen, den Umgangswunsch auch wirklich zu ermöglichen und die Umgangsbereitschaft tatsächlich durch entsprechende Verhaltensweisen gegenüber dem Kind umzusetzen. Ob und wie das wirklich erfolgt ist, liegt mithin in der Sphäre der Mutter.


Einstweilige Anordnung - Eilentscheidung


Alle Jahre wieder! - Umgang zu Weihnachten & Sommerferien

GERICHTLICHER HINWEIS zur DRINGLICHKEIT
Eilentscheidung ohne mündliche Verhandlung (§ 51 Abs.2 S.2 FamFG)

Wird der Umgang mit dem Kind einem Elternteil vorenthalten, wird häufig nach Möglichkeiten zur Durchsetzung des > Umgangsrechts im Wege eines Eilverfahrens ohne mündliche Verhandlung gefragt. Diese Möglichkeit eröffnen die §§ 49 ff. FamFG (Einstweilige Anordnung). Besteht dringender Anlass für eine zeitnahe Umgangsregelung, weil ein Umgangsboykott für den anstehenden Ferienumgang droht, kann an einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gedacht werden.
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"Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind ... " und in die Kanzlei des Familienanwalts der Auftrag zur schnellen Regelung des Umgangs für Weihnachten


Vater will einen Teil der Sommerferien mit den Kindern verbringen, worauf die Mutter keine Reaktion zeigt


Antrag zur zwangsweisen Umgangsausübung?


Ist ein Antrag auf Umgangsverpflichtung möglich?

Der ANTRAG
Mit dem Antrag versucht eine Mutter den Umgang des Vaters mit seinen vier Kindern zu erzwingen und stellt den Antrag den Vater zu verpflichten jedes zweite Wochenende mit den Kindern zu verbringen.


Zu der Frage, ob ein Elternteil gezwungen werden kann seiner Umgangspflicht (§ 1684 Abs.1 BGB) nachzukommen hat das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 1. April 2008 - 1 BvR 1620/04 Stellung bezogen. Regelmäßig wird die Verpflichtung zum Umgang mit einem nicht umgangswilligen Elternteil als schädlich für das Kindswohl eingestuft. Folge davon ist, dass gegenüber dem Umgangsunwilligen kein Zwangsmittel angedroht werden darf.

Das Gericht weist hier die Antragstellerin darauf hin, dass ein solcher Antrag in das Persönlichkeitsrecht des Vaters eingreift und gerechtfertigt ist, wenn der Zwang zum Umgang dem Kindeswohl dient. Wenn aber der Umgang mit dem Kind nur mit Zwangsmitteln durchgesetzt werden kann, dient das in der Regel nicht dem Kindeswohl. Hier müsste die Mutter Anhaltspunkte vortragen, die darauf schließen lassen, dass es ausnahmsweise dem Kindeswohl dient, wenn der Umgang erzwungen wird. Ein solcher Anhaltspunkt wäre, dass der Vater - beeindruckt von der gerichtlichen Umgangsentscheidung - freiwillig und ohne Verhängung von Zwangsmitteln den beantragten Umgang ausüben wird.


Zwangsmittel zur Durchsetzung titulierter Umgangsregelung


Ziel eines Umgangsverfahrens ist eine verbindliche, d.h. vollstreckbare Umgangsregelung zu finden. Gerichtliche Entscheidungen über den Umgang können nach §§ 88 ff FamFG vollstreckt werden. Grundlage für die Vollstreckung ist, dass eine gerichtliche Umgangsverfügung oder dass ein gerichtlich > gebilligter Vergleich vorliegt: Nähere Informationen zur Vollstreckungsfähigkeit von Umgangsregelungen der Eltern -> vgl. MUSTER - UMGANGSVEREINBARUNG. Unternimmt dann der betreuende Elternteil keine Anstrengungen, damit das Kind eine gerichtliche Umgangsregelung befolgt, rechtfertigt dies Vollstreckungsmaßnahmen. Es kann zur Anordnung von Ordnungsgeld und ersatzweise zur Ordnungshaft kommen (§ 89 FamFG).

Loewe

Leitsätze:

1. Auch ein Vergleich zur Regelung des Umgangs bedarf grundsätzlich der Klausel, wenn der Vollstreckungsgläubiger von diesem Erfordernis nicht gemäß § 86 Abs.3 FamFG freigestellt ist.

2. Wird aus einem vor dem Beschwerdegericht geschlossenen Vergleich vollstreckt, so ist eine Klausel erforderlich, wenn ein anderes Familiengericht für die Vollstreckung zuständig ist, als dasjenige, das die Akten mit dem Titel verwahrt.

3. Mit dem Hinweis auf die Folgen einer Zuwiderhandlung muss nicht nur die Art, sondern auch das Höchstmaß des angedrohten hoheitlichen Zwangs einschließlich des Höchstmaßes der Ersatzordnungsmittel bestimmt angegeben werden.


Abänderung gerichtlicher Umgangsregelung


Jede gerichtliche Entscheidungen zum Umgangsrecht sich am > Kindeswohl zu orientieren. Soweit keine besondere > gesetzliche Erheblichkeitsschwelle zu beachten ist, trifft das Gericht in Kindschaftssachen die Entscheidung, die dem "Kindeswohl am besten entspricht"  (§ 1697a). Für die Abänderung titulierter Umgangsregelungen findet sich in § 1696 BGB  eine von § 1697a BGB abweichende, d.h. gesondert zu beachtende Eingriffsschwelle.

§ 1696 BGB - Gesetzestext

(1) Eine Entscheidung zum Sorge- oder Umgangsrecht oder ein gerichtlich gebilligter Vergleich ist zu ändern, wenn dies aus triftigen, das Wohl des Kindes nachhaltig berührenden Gründen angezeigt ist. Entscheidungen nach § 1626a Absatz 2 können gemäß § 1671 Absatz 1 geändert werden; § 1671 Absatz 4 gilt entsprechend. § 1678 Absatz 2, § 1680 Absatz 2 sowie § 1681 Absatz 1 und 2 bleiben unberührt.

(2) Eine Maßnahme nach den §§ 1666 bis 1667 oder einer anderen Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die nur ergriffen werden darf, wenn dies zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung oder zum Wohl des Kindes erforderlich ist (kindesschutzrechtliche Maßnahme), ist aufzuheben, wenn eine Gefahr für das Wohl des Kindes nicht mehr besteht oder die Erforderlichkeit der Maßnahme entfallen ist.

Daneben kann das Gericht auch von Amts wegen ein Abänderungsverfahren einleiten. Im Rahmen eines solchen Abänderungsverfahrens kann das Gericht gemäß § 93 Abs. 1 Nr. 4 FamFG jederzeit die > Vollstreckung des ursprünglichen Umgangstitels einstweilen einstellen.

Loewe

OLG Naumburg, Beschluss vom 23.11.2018 - 4 WF 135/17
Wenn vollstreckbarer Umgangstitel nicht mehr dem Kindeswohl entspricht


Leitsatz: Ergeben sich nachträglich neue Umstände, die gewichtige Anhaltspunkte dafür bieten, dass der vollstreckbare Umgangstitel nicht mehr dem > Kindeswohl entspricht, steht ein darauf gestützter > Abänderungsantrag der weiteren Vollstreckung der alten Umgangsregelung entgegen.


Kostenverteilung beim Umgangsverfahren


Umgangsverfahren sind keine sog. Familienstreitsachen (§ 112 FamFG), bei denen die Verfahrenskosten in der Regel zwischen den Beteiligten nach dem Anteil des Obsiegens oder Unterliegens im Verfahren aufgeteilt werden. Dazu verweist § 113 Abs.2 FamFG auf die allgemeinen Verfahrensvorschriften in Zivilsachen (§ 91 Abs.1 S.1 ZPO). In Umgangsverfahren gilt für die Kostenverteilung §§ 80, 81 FamFG: Danach werden die Kosten nach "billigem Ermessen" des Gerichts ganz oder zum Teil einem Beteiligten auferlegt. Somit ist es kaum vorhersehbar, wie am Ende die Kosten des Verfahrens verteilt werden. Insgesamt ist man mit einer einseitigen Belastung  eines Beteiligten zurückhaltend:

Loewe
OLG München, Beschluss vom 15.09.2016 - 4 WF 1173/16 (intern vorhanden)
Kostenverteilung nach freiem Ermessen

Zitat: "Zwar können die Kosten des Verfahrens nach billigem Ermessen einem Beteiligten ganz oder zum Teil auferlegt werden,§ 81 Abs. 1 Satz 1 FamFG. Gerade in > Kindschaftssachen aber ist bei der Auferlegung außergerichtlicher Kosten besondere Zurückhaltung geboten (OLG Karlsruhe FamRZ 1988, 1303; OLG Brandenburg FamRZ 2009, 998; OLG Köln FamRZ 2012, 1162)."


Links & Literatur


Links


Literatur & Rechtsprechung


  • Michael Giers, Die Vollstreckung nach §§ 86 ff FamFG, in: NZFam 2020, 4
  • Mathias Grandel, "Minenfeld Ordnungsgeld" - zur Vollstreckbarkeit gerichtlicher Umgangsregelungen, in: FF 2019, 55
  • ürgen Schmid, Schwierigkeiten des begleiteten Umgangs, in: NZFam 2016, 604
  • BGH, Beschluss vom 30.9.2015 – XII ZB 635/14, zur Vollstreckung und Anfechtung von Umgangsregelungen im Wege der einstweiligen Anordnung
  • Thomas A. Heiß, Ansprüche aus dem Eltern-Kind-Verhältnis und aus dem Umgangsrecht, FPR 2011, 96
  • Alexander Splitt, Einschänkungen und Ausschluss des Umgangsrecht, FF 2016, 146

In eigener Sache


  • AG Fürstenfeldbruck - 5 F 792/19, gerichtlich protokollierte und gebilligte Umgangsvereinbarung, unser Az.: 103/19
  • AG Ulm - 6 F 474/19, Umgangsverfahren, unser Az.: 54/19
  • Antrag auf Umgangsregelung, unser Az.: 40/15
Kinder | Umgang | gerichtlich durchsetzen
Einvernehmliche und gerichtliche Regelung des Umgangs mit dem Kind
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