Familienrecht-Ratgeber

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Wegweiser

WEGWEISER
zum Unternehmereinkommen


  • Welchen Unterhalt bezahlt ein Unternehmer?
    Die Fragestellung mag eigenartig wirken. Doch in der Praxis passieren  bei der Ermittlung des unterhaltsreleveanten Unternehmereinkommens häufig Fehler. Nur mit besonderen Fachwissen wird das Unternehmereinkommen korrekt ermittelt. Hier gelten andere Regeln als beim Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit. Das zeigt sich bereits daran, wie die > Auskunft zum Unternehmereinkommen zu erfolgen hat, bis hin zu der Frage, was bei Einkommensschwankungen das > unterhaltsrelevante Unternehmereinkommen sein soll, das letztendlich die Höhe des Unterhalts bestimmt (> Einkommen & Unterhalt). Manche Familienanwälte stoßen hier an ihre Grenzen, weil jetzt betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse für die qualifizierte Beratung des Unternehmers zum Unterhalt unerlässlich sind. Auch Ihr Steuerberater wird nicht weiter helfen, denn dieser ermittelt den steuerrelevanten, aber nicht den unterhaltsrelevanten Unternehmergewinn.

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  • Hinweis
    Bei sehr guten Einkommensverhältnissen ( > gehobener Lebensstandard) wird der Unterhalt (sowohl der > Ehegattenunterhalt als auch der > Kindesunterhalt) unabängig vom Unternehmergewinn  ermittelt.

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Auskunft zum Unternehmergewinn


Auskunft

AUSKUNFT
Wie erteilt der Unternehmer die Auskunft?


  • In welchem Umfang muss zum Unternehmergewinn Auskunft erteilt werden? > Mehr
  • Die Verfahrenspraxis zum Unterhaltsverfahren mit Unternehmer > Mehr

Ein Selbständiger oder Unternehmer ist weitaus weniger gläsern als ein Angestellter. Letzterer ist weitgehend durch seine monatlichen Gehaltsnachweise gläsern. Werden diese nicht freiwillig vorgelegt, können im Rahmen eines Unterhaltsverfahrens über das Gericht die Gehaltsnachweise vom Arbeitgeber angefordert werden (-> verfahrensrechtliche Auskunft). Diese Möglichkeit gibt es bei Selbständigen nicht. Mit welchen Belegen ermittelt man den tatsächlichen betrieblichen Brutto-Gewinn? Das Brutto-Unternehmer-Einkommen kann nicht - wie beim Angestellten - mit Gehaltsnachweisen oder der Lohnsteuer-Jahresbescheinigung belegt werden. Nicht einmal der Unternehmer selbst kennt in der Regel sein durchschnittliches Nettoeinkommen. Wie auch, wenn es ständigen Schwankungen unterliegt. Nirgendwo sonst, kann das unterhaltsrelevante Einkommen mehr verschleiert, verzerrt oder verschwiegen werden als bei den Gewinneinkünften eines Unternehmers. Machen Sie sich bewusst, dass die unterhaltsrelevanten Gewinneinkünfte sich nicht allein aus vorgelegten Steuerbescheiden ermitteln lassen. Diese Auskunftsquelle ist viel zu wenig aussagekräftig. Sie zeigt nicht, welche Steuersparmodelle sich hinter den unternehmerischen Gewinneinkünften verbergen können. Dem Unternehmer fällt es viel leichter als dem Angestellten, sein Einkommen nicht offen zu legen. Welches Einkommen zu versteuern ist, mag den Steuerbescheiden zu entnehmen sein. Aber was ist das durchschnittliche Real-Nettoeinkommen? Kein Unterhaltsanspruch kann ohne vollständige Kenntnis der Einkünfte von Unterhaltsschuldner und Unterhaltsgläubiger richtig ermittelt werden Ein besonderer Praxisschwerpunkt ist die Feststellung des unterhaltsrelevanten Einkommens des Unternehmens. Dieses richtig (vor allem vollständig) festzustellen, ist manchmal ein Kunststück ganz eigener Art. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um effektiven Druck zur Auskunftserteilung auf den Selbständigen auszuüben (-> Druck zur Auskunft). Gewinnermittlungsunterlagen müssen herausverlangt, richtig gelesen und dann unterhaltsrechtlich ausgewert werden. Und welches Einkommen aus welchen Wirtschaftsjahren soll bei erheblichen Gewinn-Schwankungen relevant sein? Was ist, wenn Unternehmens-Bilanzen, Steuerbescheide etc. für die letzten Jahre (noch) nicht vorliegen oder nicht herausgegeben werden? Wer sich nicht mit langwierigen Unterhaltsverfahren und kostspieligen  Gutachten zum unterhaltsrelevanten Unternehmergewinn herumschlagen will, sollte  für den Fall der Trennung und Scheidung möglichst aktuelle Gewinnermittlungsunterlagen (Bilanzen, GuV-Rechnungen, Einkommenssteuererklärungen samt Anlagen, etc.) aus den letzten drei Wirtschaftsjahren vollständig parat zu haben. Die beste Methode ist natürlich, sich vor der Trennung die notwendigen Belege zur Ermittlung des Einkommens zu sichern. Es gibt Situationen, in denen es schlicht nicht möglich ist, vollständige Auskunft über das Einkommen des Selbständigen zu erhalten. Dann ist es angezeigt Methoden zu wählen, die zum Unterhaltsanspruch ohne Auskunft zum Einkommen der Gegenseite führen (-> Leistungsklage ohne Auskunft).


Unterhaltsrelevanter Gewinn


Nicht alle Besonderheit der Einkommensermittlung bei Selbständigen können hier vorgestellt werden. Nachfolgend erhalten Sie eine Auswahl. Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt > Links & Literatur.

Geld
REALES EINKOMMEN
des Unternehmers

Nur von Familienanwälten mit besonderem Fachwissen wird das unterhaltsrelevante  "Unternehmer-Einkommen" richtig bewertet und ermittelt. Die Einkommensermittlung beim Unternehmer ist aufwendig. Wer sich hier dabei nur mit Daten aus Steuerbescheiden begnügt, der erfasst das Thema nicht vollständig. Das unterhaltsrelevante Einkommen wird stets in drei Schritten ermittelt (-> Leitfaden zur Einkommensermittlung). Im Ersten Schritt wird am steuerlichen Gewinn angeknüpft, um das reale Einkommen zu ermitteln. Deshalb steht beim Selbständigen die steuerliche Ermittlung der betrieblichen Gewinneinkünfte zunächst im Vordergrund. Das Problem für das Unterhaltsrecht ist hierbei, dass der steuerliche Unternehmergewinn meist nicht das real zur Verfügung stehende Einkommen wiederspiegelt. Auf letzteres kommt es aber unterhaltsrechtlich an. Denn hier ist festzustellen, welche reale Leistungsfähigkeit für Unterhaltszahlungen gegeben ist.

  • So mag zwar der steuerbare Gewinn des Unternehmers Anküpfungspunkt für das unterhaltsrelevante Einkommen sein. Um aber zum realen Einkommen zu gelangen, müssen unterhaltsrechtliche Korrekturen beim steuerbaren Gewinn durchgeführt werden. Denn maßgeblich für den Unterhalt ist nicht der "steuerliche Gewinn". Maßgeblich ist vielmehr der real erwirtschaftete "Unternehmer-Gewinn" (d.h. ohne steuerrechtliche Korrekturen, wie z.B. deressive AfA u.ä). Nur wer das reale (Betriebs-)Einkommen einer Unterhaltsbemessung zu Grunde legt, wird den Unterhalt korrekt ermitteln.
    Bei einem Freiberufler oder Unternehmer ist das steuerrechtliche Einkommen mit dem unterhaltsrechtlich relevanten Einkommen regelmäßig nicht identisch (OLG München, Beschluss v. 25.07.2017 - 2 UF 458/17). Während z.B. Betriebsausgaben und Investitionen steuerrechtlich grundsätzlich als Geschäftstätigkeit hinzunehmen sind, müssen sie unterhaltsrechtlich in einem objektiv angemessenen Verhältnis zum unternehmerischen Ertrag stehen; unabhängig hiervon ist die unterhaltsrechtliche Betrachtung auch deshalb strenger, weil z.B. Aufwendungen dann nicht einkommensmindernd anerkannt werden, wenn ihnen eine tatsächliche Vermögenseinbuße nicht oder nicht in diesem Umfang entspricht. Daraus folgt die grundsätzliche Verpflichtung des selbständigen Unterhaltsschuldners, die allein steuerrechtlich beachtlichen von den auch unterhaltsrechtlich abzugsfähigen Aufwendungen abzugrenzen. Mann kann nicht davon ausgehen, dass ales was steuerlich als Betreibsausgabe akzeptiert wird, auch unterhaltsrechtlich eine berücksichtigungswürdige Betriebsausgabe darstellt (vgl. OLG München, Beschluss v. 25.07.2017 - 2 UF 458/17, Rn 12ff) . Es ist Sache des Unterhaltspflichtigen, die berücksichtigungswürdige Berufsbedingtheit von Anschaffungen und Betriebsausgaben darzulegen und nachzuweisen (Problemstellung: Ist der zweite Firmen-PKw unterhaltsrechtlich eine notwendige Betriebsausgabe?). Die steuerlichen Gewinnermittlungen  des Antragsgegners geben Anlass für erhebliche unterhaltsrechtliche Korrekturen.
  • Im Prinzip ist die unterhaltsrechtliche Gewinnermittlung eine reine Cash-Flow-Rechnung. Alles was in den Betrieb einfließt ist Ertrag – alles was abfließt ist entweder betrieblicher Aufwand oder Entnahme. Im Grunde kann anhand der Kontenklassen 2 des DATEV-Kontenrahmens der unterhaltsrelevante Gewinn eines Einnahmen-Überschuss-Rechners abgelesen werden. Dieser Cash-Flow-Betrachtung sind sämtliche handelsrechtlich und steuerrechtlich zulässige Bilanzierungs- und Buchungsgrundsätze zur

    fremd. Dennoch knüpft das Unterhaltsrecht an die steuerliche Gewinnermittlung an und akzeptiert diese als Grundlage für unterhaltsrechtliche Modifikationen um zum eigentlichen Ziel  zu gelangen (= Cash-Flow-Betrachtung) . Bei selbständig Tätigen dient die Vorlage des Steuerbescheides und der Steuererklärung der Prüfung, welche Einkommensteile steuerrechtlich unberücksichtigt geblieben sind und inwieweit steuerrechtlich anerkannte Absetzungen von einem erzielten Einkommen vorliegen, die unterhaltsrechtlich möglicherweise nicht als einkommensmindernd hinzunehmen sind, weil ihnen kein entsprechender tatsächlicher Geldabfluss oder tatsächlicher Werteverzehr zu Grunde liegt.

Unternehmen

GEWINN-SCHWANKUNGEN
und die Ermittlung des unterhaltsrelevanten Einkommens


Kein Geschäftsjahr gleicht dem anderen. Das betreibswirtschaftliche Ergebnis ist in jedem Wirtschaftsjahr ein anderes.  Andererseits soll im Unterhaltsrecht regelmäßig ein konstanter künftiger Unterhaltszahlbetrag ermittelt werden. Verlangt wird also ein Spagat zwischen unternehmerischer Realität und unterhaltskonformer Einkommensermittlung. Die Rechtsprechung löst dieses Problem mit -> Prognose-Methoden, deren Ziel es ist, einen künftigen Unterhaltsbetrag zu finden, der die unternehmerische Leistungsfähigkeit möglichst  "realilätsgerecht" abbildet. Wie die Rechtsprechung dabei vorgeht, erfahren Sie -> HIER ... . Geht es jedoch um -> Unterhaltsrückstände aus zurückliegenden Wirtschaftsjahren, bedarf es keiner Gewinnprognose. Denn die realen Gewinne für zurückliegende Wirtschaftsjahre sollten bekannt sein. Praxistipp: Somit kann es aus taktischen Gründen im -> Unterhaltsverfahren sinnvoll sein, unerledigten Steuererklärungen aus den Vorjahren möglichst rasch zum Abschluss zu bringen, damit im laufenden Unterhaltsverfahren ein (belegbares) realitätsgerechtes Bild vom Unternehmer-Einkommen dargestellt werden kann.

Unternehmen
AUSKUNFT
des Unternehmers

Auskunft zum Einkommen und Vermögen des Unternehmers ist zu erteilen, soweit dies für die Unterhaltsermittlung erforderlich ist (-> § 1605 BGB). Was erforderlich ist, entscheidet sich u.a. anhand der -> Regeln zur Einkommensermittlung bei jährlich schwankenden Unternehmergewinnen. Ein weiteres Problem sind die oft ausstehenden Steuererklärungen der letzten Wirtschaftsjahre. Welche Auskünfte zu den Gewinnermittlungsunterlagen vom Unternehmer erwartet werden, erfahren Sie -> HIER....

Unternehmen
STEUERN

Wie wird beim Selbständigen das Einkommen von den Steuern bereinigt?

  • In-Prinzip und Für-Prinzip: -> HIER ...
  • Die Gewerbesteuer im Unterhaltsrecht: Während die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit nur mit Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belastet werden, belastet der Staat das Einkommen von Unternehmern u.U. zusätzlich mit Gewerbesteuer. Nach § 4 Vb EStG ist die Gewerbesteuer eine steuerlich nicht abzugsfähige Betriebsausgabe. Sie mindert daher den betrieblichen, nicht aber den steuerlichen Gewinn. Im Unterhaltsverfahren ist vom betrieblichen Gewinn auszugehen, da die Gewerbesteuer berufsbedingter Aufwand ist. Betrieblicher Gewinn und steuerlicher Gewinn werden am Ende der Gewinn- und Verlustrechnung bzw der Einnahmen-Überschuss-Rechnung getrennt ausgewiesen. Im Einkommensteuerbescheid ist bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb der um die Gewerbesteuer erhöhte Gewinn angegeben (Spieker, in: Wendl/Dose, Das Unterhaltsrecht in der familienrechtlichen Praxis, 9. Auflage, § 1, Rz. 854).
(Zitat) " ... nicht angezeigt ist eine unterhaltsrechtliche Erhöhung der Einnahmen des Antragsgegners [Unternehmers] aufgrund privater Firmenwagennutzung. Der anteilig aus allen PKW-Kosten des Audi-Firmenfahrzeugs ermittelte private Nutzungsanteils wird hinreichend belegt auf Grundlage eines Fahrtenbuchs aufgeschlüsselt und abgerechnet (vgl. Belege 11-15-21; 11-150-185). Daher sind in den Bilanzen des Versicherungsbüros des Antragsgegners bei den für das Fahrzeug ausgewie­senen Kosten keine Kosten enthalten, welche dem Antragsgegner privat zu Gute kommen.“
Hinweis: mehr zur -> Korrektur des unterhaltsrelevanten Einkommens wegen -> privater Nutzung von Geschäftswagen -> HIER ...
 
Unternehmen
ABSCHREIBUNGEN

Abschreibungen führen zu Abzügen vom unterhaltsrelevanten Gewinn. Sie führen buchungstechnisch zur Gewinnminderung. Doch steht zum Zeitpunkt der Abschreibung kein realer Geldabfluss aus dem Betriebsvermögen dahinter. Sofort stellt sich damit die Frage, ob, wie und wann steuerllich zulässige Abschreibung auch unterhaltsrechtlich anzuerkennen sind. Mehr dazu -> HIER...

Unternehmen
BETRIEBSMITTEL-KREDIT
nach Wegfall steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten ...


Anmerkung: Zins- und Tilgungsleistungen für Unternehmens-Kredite werden unterschiedlich in der GuV-Rechnung eines unternehmens steuerlich berücksichtigt. Die Zinsleistungen sind steuerlich anerkannter betrieblicher Aufwand, der keiner unterhaltsrechtlichen Korrektur bedarf. Tilgungsleistungen werden ebenfalls steuerlich als Betreibsausgabe berücksichtigt, soweit dafür eine steuerliche Abschreibung erfolgen kann. Doch wie ist unterhaltsrechtlich damit umzugehen, wenn die steuerlilchen Abschreibungen nicht mehr möglich sind, obwohl die Tilgungsbelastungen fortbestehen? Mehr dazu -> HIER ...
 
Unternehmen

RÜCKSTELLUNGEN & THESAURIERUNG
von Gewinnen


Steuerrechtlich oder handelsrechtlich zulässige Rückstellungen in der Bilanz führen zu einem geringeren Ausweis des steuerlichen und handelsrechtlichen Gewinns. Wenn solche Rückstellungen sich feststellen lassen, stellt sich die Frage, ob dies unterhaltsrechtlich fortzuführen ist oder -> Einkommenskorrekturen veranlasst sind. Soweit Gewinne nicht zum Lebensunterhalt verbraucht, sondern in der Firma gelassen werden, handelt es sich unterhaltsrechtlich um Vermögensbildung, welche der unterhaltsbedürftige Ehegatte nach -> Trennung grundsätzlich nicht gegen sich gelten lassen muss. 

  • Objektiver Maßstab für -> Rückstellungen und -> Thesaurierungen: Da der Unterhalt der Vermögensbildung vorgeht, muss sich der Unterhaltsberechtigte nach Trennung über einen reduzierten Unterhalt nicht mehr an der Vermögensbildung des Unterhaltspflichtigen beteiligen, wobei es nicht darauf ankommt, ob die durch die Erzielung des Einkommens vorhandenen Mittel während der Ehe zur Lebensführung tatsächlich zur Verfügung gestanden haben oder nicht (Handbuch des Fachanwalts Familienrecht/Gerhardt, 10 . Aufl. 2015, Kap. 6 Rn. 227). Vielmehr ist ein objektivierter Maßstab für die gerichtliche Feststellung des ehelichen Lebensbedarfs iSd § 1361 BGB anzulegen (Palandt/Brudermüller, BGB, 74. Aufl. 2015, § 1361 Rn. 11 mit Verweis auf § 1578 Rn 36). Hinweis: der sog. "objektive Maßstab" für die Bestimmung der ehelichen Lebensverhältnisse ist ein wesentlicher Gedanke, um übermäßige Vermögensbildung aus der Unterhaltsermittlung auszublenden (mehr dazu -> HIER...)
  • Rückstellungen können gemäß § -> 249 Abs. 1 HGB gebildet werden für ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung, die im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von drei Monaten oder für Abraumbeseitigung, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt werden, sowie für Gewährleistungen, die ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden. Dies bedeutet, dass Rückstellungen nicht für Schadensausgleich oder gar allgemeines Unternehmerwagnis oder für künftige Ausgaben gebildet werden dürfen (Handbuch des Fachanwalts Familienrecht/Kuckenberg/Perleberg-Kölbel, 10. Aufl. 2015, Kap. 13 Rn. 79). Die Rechtfertigung der Rückstellung, müssen zum Zwecke der unterhaltsrechtlichen Berücksichtigung konkret nachgewiesenen werden.  Unterbleibt eine solche Darstellung, ist unterhaltsrechtlich davon auszugehen, dass solche auch in nennenswerter Höhe nicht entstanden sind, so dass die Rückstellung gewinnerhöhend zu berücksichtigen ist (Wendl/Spieker, Das Unterhaltsrecht in der familienrechtlichen Praxis, 9. Aufl. 2015, § 1 Rn. 388 ff.).
Unternehmen
ÜBEROBLIGATORISCHES EINKOMMEN

Oft arbeiten Unternehmer auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiter und erzielen nicht (nur) Einkommen aus einer (selbständig) aufgebauten Altersvorsorge. Welche Bedeutung haben solche Tätigkeiten für nacheheliche Unterhaltspflichten?


Unterhaltsermittlung ohne Unternehmergewinn


Luxus

UNTERHALTSBEDARF & LUXUS
Unterhaltsermittlung bei gehobenem Lebensstandard


Unternehmer sind selbständig tätig, weil Sie hierbei höhere Gewinnchancen erwarten und realisieren können, als bei einer Tätigkeit als Angestellter für ein anders Unternehmen. Bezieht der unterhaltspflichtige Unternehmer Einkünfte, welche allein oder mit dem Einkommen des Ehegatten zusammen die Luxusschwelle übersteigen, ist eine einkommensunabhängige Bedarfsermittlung angezeigt. Jetzt kann unabhängig von konkret ermittelten Einkommen der konkrete Bedarf der Unterhaltsberechnung zu Grunde gelegt werden. Dies kommt bei Unternehmer-Ehen nicht selten vor.

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Unternehmenswert & Unterhalt


Unternehmen

UNTERNEHMENSWERT
& Doppelverwertungsverbot


Jedenfalls beim Einzelunternehmer ist das Unternehmen meist die einzige Existenzgrundlage (> Unternehmen im Familienrecht). Wenn solche Unternehmer Unterhalt bezahlen sollen und zusätzlich den > Wert des Unternehmens im Wege des Zugewinnausgleichs berücksichtigt sehen, ist die Grenze des Machbaren schnell erreicht. Hier kommt das Verbot der Doppelbewertung zu Hilfe.

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Unterhaltsverfahren mit Unternehmer


Unternehmen

UNTERHALTSVERFAHREN
Das keine 1x1


Zur Vermeidung von Verzögerungen durch ein vorzuschaltendes Auskunftsverfahren (z.B. StufenantragDaniel Wache, Der Stufenantrag im Unterhaltsrecht: Verzögerungs- und Beschleunigungsstrategien, in: NZFam 2019, 372) geht die Verfahrenspraxis häufig folgenden Weg:

  • Der Unterhaltsberechtigte > behauptet unter Darlegung bisherigen Konsumverhaltens, gestützt auf ältere Einkommensunterlagen oder nach den Entnahmen ein > Unternehmereinkommen in bestimmter Höhe. Ein ohne diese Substantiierung gegebener Vortrag kann als ins Blaue hinein aufgestellt unbeachtlich bleiben. Sind keine > Einkommensunterlagen bekannt, ist dieses Vorgehen nicht zu empfehlen. Ein Stufenverfahren ist dann nicht zu vermeiden.
  • Substantiiertem Vorbringen des Unterhaltsberechtigten muss der unterhaltspflichtige Unternehmer zur Vermeidung der > Geständnisfiktion  mit positiven Angaben entgegentreten; Er kann sich nicht auf ein einfaches Bestreiten beschränken (BGH NJW 1987, 1201).
  • Der Selbständige hat zur Darstellung seines Einkommens die Einnahmen und Ausgaben so darzustellen, dass die steuerlich beachtlichen Aufwendungen von den unterhaltsrechtlich relevanten abgegrenzt werden können (BGH NJW 1980, 2083). Dem wird i. d. R. durch > Vorlage der GuV-Rechnungen, der Einkommensteuererklärungen und der Steuerbescheide Genüge getan (BGH NJW-RR 1993, 898). Zu den Auskunft und Belegpflichten des Unternehmers zum Einkommen > Mehr
  • Der Tatrichter hat das > Einkommen im Rahmen einer umfassenden freien Beweiswürdigung nach § 286 Abs. 1 ZPO zu ermitteln. Die Vollständigkeit und Ordnungsmäßigkeit der Buchführung und der darauf aufbauenden steuerrechtlichen Unterlagen zur Gewinnermittlung streiten zunächst für den Vortrag des selbständig Erwerbstätigen. Es bedarf daher nun konkreter Angriffe des Verfahrensgegners, um diese Vermutung zu erschüttern. Zur Abgrenzung, welche Positionen für die Unterhaltsberechnung ganz oder teilweise ausscheiden, hat der Tatrichter notfalls einen Sachverständigen hinzuzuziehen (§§ 402 ff. ZPO).
  • Kann gleichwohl anhand der Unterlagen die Abgrenzung nicht getroffen werden oder ergeben sich wegen unvollständiger Aufzeichnungen und widersprüchlicher Angaben konkrete Zweifel an dem dargelegten Einkommen, kann der Tatrichter einzelne Positionen nach § 286 ZPO als unwahr zurückweisen oder diese unter Zuhilfenahme von Erfahrungswerten aus vergleichbaren Fällen nach § 287 Abs. 2 ZPO schätzen. Die Schätzung setzt voraus, dass die Aufklärung und Beweisaufnahme unverhältnismäßig schwierig ist und zu dem Umfang der Unterhaltsforderung in keinem Verhältnis steht (BGH FamRZ 1993, 789).


Links & Literatur


Links



Literatur


In eigener Sache


  • Die Auskunft zum Einkommen eines Unternehmers - Die Anforderungen an eine strukturierte und belegte Auskunft, unser Az.: 443/17 (D3/495-17)
  • AG Tostedt - NSZ 14 F 263/14 UE, Korrekturen der steuerlichen Gewinnermittlung - SV-Gutachten zum Einkommen des Unternehmers, unser Az.: 6/17 (D3/460-17)
  • AG Besigheim - 4 F 310/17 eA, bilanzierte Rückstellungen und unterhaltsrelevantes Einkommen eines Unternehmers, unser Az.: 124/16 (D3/304-17)
  • AG Gelnhausen - 61 F 1226/16 EAUE, Einwendungen gegen die Anerkennung von Thesaurierungen des Unternehmergewinns, unser Az.: 177/15 (D3/925-16)
  • AG Dachau - 2 F 717/16, Abschreibung und unterhaltsrelevantes Einkommen eines Freiberuflers, unser Az.: 507/16 (D3/327-17)
  • AG Straubing - 3 F 299/16, Betriebsmitteldarlehen zum Praxiserwerb und Afa, unser Az.: 426/17 (D3/443-17)
  • Zum Abzug von betrieblichen Darlehen vom Einkommen (Zins und Tilgung), unser Az.: 137/15 (D3/1053-15)
  • Ermittlung des unterhaltsrelevanten Einkommens eines Apothekers mit Betriebsmittelkredit, unser Az.: 109/16 (D3/1240-16)
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